Henning Mankell schreibt über seine Krebserkrankung

Henning Mankell hat auf seiner Webseite www.henningmankell.com einen Beitrag über seine Krebserkrankung veröffentlicht, die Anfang Januar entdeckt wurde:

Einige Tage nach Neujahr reiste ich zu einem Orthopäden in Stockholm, der mich schon einmal behandelt hatte. Hin fuhr ich mit einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall im Nacken.

Als ich zurück nach Göteborg fuhr, am Tag darauf, war es eine ernste Krebsdiagnose.

Besondere Erinnerungen verbinde ich mit dieser Heimreise nicht. Nur die unablässige Dankbarkeit dafür, dass Eva, meine Frau, bei mir war.

Einige Tage später erhielt ich es von der Lungenabteilung am Sahlgrenska Sjukhuset schwarz auf weiß: Es war ernst. Ich hatte einen Tumor im Nacken und außerdem einen Tumor in der linken Lunge. Außerdem war zu erahnen, dass der Krebs bereits auf andere Körperteile gestreut haben könnte.

Seitdem sind knapp vierzehn Tage vergangen. Ich bin gerade dabei, die letzten Untersuchungsberichte durchzugehen, bevor verschiedene Behandlungsformen eingeleitet werden sollen.

Meine Angst ist sehr groß, auch wenn ich sie im Großen und Ganzen unter Kontrolle halten kann.

Sehr früh entschied ich mich zu versuchen, über diese Dinge zu schreiben.

Letztlich geht es ja um Schmerzen und Leiden, die viele Menschen empfinden – allerdings auch um eine erstaunliche medizinische Wissenschaft und ein Licht, das oftmals durch den Nebel dringt.

Ich will genau so schreiben, wie es ist. Über den schweren Kampf, den das immer bedeutet. Aber ich gedenke aus der Perspektive des Lebens und nicht des Todes zu schreiben.Dies werde ich in unregelmäßigen Abständen tun.

Ich beginne jetzt.

Ich habe gerade begonnen.

Aus dem Schwedischen von Matthias Hannemann.
30. Januar 2014, Foto: © Paul Zsolnay Verlag

Zur Website von Henning Mankell

März 2014

Henning Mankell führt über seine Krankheit eine Art Tagebuch in der schwedischen Zeitung Göteborgs Posten. In Deutschland erscheinen seine Schilderungen exklusiv im stern. Weitere Informationen und die Tagebucheinträge finden Sie auf stern-online.

April 2014

Henning Mankell veröffentlicht im aktuellen stern den dritten Teil seines Krebs-Tagebuchs: Dem Schriftsteller geht es etwas besser – dank der Chemotherapie und der Offenheit eines Arztes. Zum dritten Teil

September 2015

Im September erscheint Henning Mankells neues Buch Treibsand. Was es heißt ein Mensch zu sein auf Deutsch. Ein Buch, das Mut macht zum Leben: Im Angesicht seiner Krebserkrankung schlägt Henning Mankell den Bogen von seinen ganz persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen zu Themen wie Zeit und Tod, Politik und Verantwortung, Hoffnung und Angst.

Kommentare:

  1. Wilhelmi, Hannelore sagt:

    Ich war und bin sehr, sehr betroffen, als ich gestern von Henning Mankells Erkrankung in unserer Tageszeitung las. Seine jetzige Haltung zeigt erneut, was für ein großartiger Mensch und Schriftsteller er ist. Nun bin ich natürlich sehr interessiert, seine Kolumnen lesen zu können, möglichst in deutscher Sprache. Dieser oben aufgeführte Beitrag aus dem Schwedischen von Matthias Hannemann erfüllt mich mit der Hoffnung, dass auf dieser Webseite weitere Beiträge folgen werden. So wird es mir möglich Henning Mankell zu begleiten.
    Von ganzem Herzen wünsche ich Hennig Mankell Kraft und wenig Schmerzen für sein Vorhaben und grüße ihn ganz herzlich.
    Danke für diesen guten Beitrag!

    Hannelore Wilhelmi

  2. Michael sagt:

    Bewundernswert wie Herr Mangel mit der Erkrankung um geht – zumindest jetzt zu Beginn.

  3. Karin Permesang sagt:

    Viel Glück und alles erdenklich Gute!

  4. Wiebe sagt:

    Ich finde es großartig so mit dieser Auseinandersetzung umzugehen!
    Ich bin selber betroffen, ähnlich massiv gleich von Anfang an, vermutlich 15-20 Jahre jünger als Mankell. Und ich freue mich immer, wenn so progressiv mit dieser ätzenden Diagniose umgegangen werden kann.
    Life is NOW

  5. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie sich entschlossen haben, über Ihre Krankheit – die auch meine ist – zu schreiben.
    Sie schreiten ein paar Wochen voran und ich folge Ihnen. Ihre Worte werden mir Kraft geben.

  6. Danke für die Momente mit Wallander, mit den Romanen und Gedanken.
    Und besonderen Dank für die Gedanken, die Sie mit uns über Ihre Erkrankung geteilt haben. Es ist die persönliche Hölle für jeden … und seine Familie.
    Rest in Peace, Herr Mankell.

  7. Christine Kollmann sagt:

    Auch meinem Lebensgefährten und Lebensmenschen erging es ebenso – nach einem wunderbaren, sportlichen Jahr (tägliches Sport-Training, ein
    Halbmarathon..!) starke Schmerzen im Schulter-,
    Nackenbereich, Kontrollen, i.e. CT, MRT, Röntgen
    usw. – Diagnose: Lungenkarzinom!

    Ein Jahr von Verzweiflung, Hoffnung, Liebe,
    Trauer folgte – eine schlimme Erfahrung..

    Am 6. September 2002 verstarb mein Lebensgefährte, er wollte noch so vieles,
    vielleicht auch ein Tagebuch über seine Erkrankung verfassen, aber er hatte leider nicht mehr die Kraft..

    danke an Hrn. Mankell für seine Gedanken ….
    und – kann mich Bettina Meister nur anschliessen: Ruhet in Frieden!

Kommentar abgeben:

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht auf dieser Seite veröffentlicht.